KONZEPT UND KUNST


Das im folgenden beschriebene Projekt will nicht unbedingt Konzeptkunst sein, die Beschreibung des Vorhabens nicht selbst schon Kunst. Daß künstlerischer und überhaupt menschlicher Tätigkeit immer ein sei es auch noch so rudimentäres Konzept zugrundeliegt, soweit diese Tätigkeit ein gewisses Maß an planerischer Vorausschau erfordert, dürfte offensichtlich sein. Sei es, daß einer seinen Steinklotz zum Behauen finanzieren und heranschaffen muß oder erst Börsenmakler gewesen sein muß, um dann Jeff Koons sein zu können – beides erheischt einiges an konzeptionellem Aufwand, um die Bedingungen jeweils spezifischer künstlerischer Betätigungen herzustellen. Mit jeder Wahl im Vorfeld des Produktionsprozesses wird die grenzenlose Freiheit eingeschränkt, als deren Ausbund in einem volkstümlichen Verständnis die künstlerische Produktionsweise gilt.

Auch bietet das vorliegende Konzept als andeutende Beschreibung der Herstellung seiner Bedingungen wenig im Sinne einer Erläuterung des aus diesen gewählten Bedingungen einmal entstehenden Werks. Zwar bietet im allgemeinen eine historisch-genetische Herangehensweise die besten Voraussetzungen zum Verständnis der unterschiedlichsten Phänomene, nur sind mir diesbezüglich als Produzent einer bestimmten Art von Phänomenen die Hände gebunden. Ich bräuchte den ganzen Aufwand gar nicht erst zu betreiben, könnte ich erschöpfend bestimmen, was bei meiner Tätigkeit herauskommt, und im Vorgriff auf das Ergebnis dasselbe bereits vollständig und ohne Rest erläutern. Mir geht es vielmehr um diesen Rest, den die Reflexion übrigläßt und der nur durch die Tätigkeit zugänglich wird – nach Beendigung der Tätigkeit auch wieder der Reflexion.

Es geht also keineswegs darum, sich der Reflexion zu entschlagen, sondern sie selbst als Produktionsmittel zu verwenden. Ebensowenig aber wie der Pinsel die Malerei erklärt, soll dieses Konzept ein erst zu erzielendes Ergebnis verständlich machen. Vielmehr geht es im folgenden um Hintergrund und Ausblick. Das ganze habe ich geschrieben, um mir selbst die nähere Umgebung des Ausgangspunktes zu erschließen, an dem ich einen Pflock eingeschlagen habe, um mich abzuseilen in das unheimliche Tal.







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