REFLEXION


Inbegriff des individuellen Menschen ist sein Gesicht. Wir erkennen Menschen, wenn wir ihr Gesicht sehen. Die automatisierte Gesichtserkennung ist eins der Ziele staatlichen wie privatwirtschaftlichen Überwachungsinteresses.(2) Indem abstrakten Datensätzen Gesichter zugeordnet werden können, sind sie identifiziert, die virtuelle Beschreibung mit dem Realsubjekt verbunden. Ist das Gesicht selbst ein abstrakter Datensatz, ist das Subjekt erst vollständig elektronisch verarbeitbar.(3)

Die Erfassung biometrischer Daten, mithin die Übertragung individuell subjektiver „weicher“ Eigenschaften in „harte Fakten“, ermöglicht die Objektivierung der Subjekte in ihrer Gesamtheit. Die möglichst vollständige virtuelle Nachbildung eines Menschen erfordert die Ausbildung hochkomplexer aufeinanderfolgender objektivierender Verfahren, an deren Nahtstellen Fehler im Sinne der Objektivierung passieren. Diese Fehler, so die Hypothese, können sich aufzusummieren und dem objektivierten Abbild eine Subjektivität auf erweiterter Stufenleiter abtrotzen, jenseits der biometrisch erfaßten Daten des jeweils individuellen Probanden, dessen Identität, wie sie der Personalausweis vermittelt, demgegenüber zweitrangig wird.

Der 3D-Scan erfasst nur die dreidimensionalen Koordinaten. Oberflächenbeschaffenheiten und Farben müssen in einem zweiten Schritt als Texturen hinzugefügt werden. Diese Texturen werden mittels des zweidimensionalen Verfahrens der (Digital-) Fotografie erzeugt und auf das dreidimensionale Mesh virtuell aufgetragen. Der dritte Schritt besteht in der Rückübertragung des über objektivierende Verfahren gewonnenen virtuell-dreidimensionalen Zwischenergebnisses in die real-zweidimensionale Subjektivität eines Bildes aus Farbe und Leinwand. Dieses Bild erhält durch die Summierung der im jeweiligen Verfahrensschritt entstehenden „Fehler“ eine eigenständige Existenz, die weder aus der Subjektivität des Künstlers, noch aus derjenigen der Probanden entsteht, sondern aus der genetischen Varianz seiner Eigenschaften im evolutiven Dreischritt seiner Entstehung.








2) Die Frage, ob – und wenn ja, inwieweit – dieses Interesse legitim sein kann, ist nicht Gegenstand meines Projektes.

3) Das Gesicht ist in diesem Zusammenhang der bezügl. der Individualität bedeutsamste Aspekt für die elektronische Erfassung des Subjekts. Prinzipiell zielt das Interesse aber auf alle (Körper-)Daten, derer es habhaft werden kann.




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